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Agiles Mindset entwickeln – ein Leitfaden

In diesem Artikel erfährst du, wie du vorgehen kannst, um mit der bewährten Vorgehensweise des ZRM® ein persönliches, agiles Mindset zu entwickeln.

Das agile Mindset soll die Umsetzung agiler Prinzipien und Werte optimal unterstützen. Wie du dir dieses Zusammenspiel von Mindset, agilen Prinzipien und Werten sowie Methoden und Praktiken vorstellen kannst, habe ich im Artikel ‘Agile Prinzipien erfolgreicher Teams’ beschrieben.

Den Werten kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie repräsentieren die Spielregeln der Teamarbeit. Ähnlich wie Leitplanken einer Autobahn markieren sie eine Grenze innerhalb derer sich alle frei bewegen können. Die ausschlaggebende Frage lautet: Welche Werte unterstützen unser Team bestmöglich in der Erreichung unserer Ziele? Wie du in deinem Team die Werte bestimmst, die euch wirklich weiterbringen, erfährst du in meinem Buch ‘Mit agilem Mindset zum Erfolg’. Für diesen Leitfaden verwenden wir der Einfachheit halber einen der Scrum Werte: Den Mut. Nehmen wir an, dass ein Entwickler, nennen wir ihn Ben, gerne mutiger werden möchte. Er möchte mutiger

  • seinen Standpunkt vertreten, auch wenn es unangenehme Diskussionen gibt
  • zu seinen Entscheidungen stehen, wenn eine Lösung aus seiner Sicht optimal ist
  • im richtigen Moment nein-sagen, anstatt des lieben Frieden willens nachzugeben.

Ben möchte eine Haltung entwickeln, die sein Wunsch nach mutigem Verhalten unterstützt. Wie kann er dafür sein persönliches agiles Mindset entwickeln?

Persönlichen Wert ergründen

Beide Gedächtnissysteme einbeziehen

Ben beschreibt seinen Vorsatz mit den Worten ‘Ich möchte mutiger sein’. Diese bewusste Absicht kommt aus dem Verstand, einem der beiden Gedächtnissysteme des Menschen. Allein mit diesem Vorsatz wird es Ben wahrscheinlich nicht gelingen, mutiger aufzutreten. Vielleicht hast du den Artikel ‘Agile Prinzipien und Werte klug umgesetzt’ gelesen. Dann weisst du, dass es neben dem Verstand ein 2. System gibt, dass das Verhalten von uns Menschen massgeblich beeinflusst. Es sollte den verstandesgemässen Vorsatz ebenfalls unterstützen. Nur dann kann das Vorhaben möglichst zuverlässig umgesetzt werden. Deshalb sollte der Input dieses 2. Systems abgeholt werden. Ben muss es befragen, was es zu seinem Wunsch nach mutigerem Verhalten meint.  

Abfrage somatischer Marker

Wie kann Ben den Input seines 2. Systems bestimmen? Dafür kann er Bilder verwenden. Ben entscheidet sich für ein Löwenbild. Es löst ein starkes positives Gefühl in ihm aus, lässt ihn lächeln und eine angenehme Wärme in ihm aufsteigen. 

Warum funktioniert dieses Vorgehen? Es funktioniert, weil sich die Inhalte dieses Gedächtnissystems gut über Projektionsvorgänge abholen lassen. Ziel ist, dass man damit den meist weniger bewussten Anteilen der Psyche auf die Spur kommt, die bei der Auswahl des jeweiligen Bildes eine Rolle spielten. Diese unbewussten Themen sind wichtig. Sie enthalten – über das bewusste Wissen hinaus – wichtige Hinweise darüber, was für die betreffende Person von Bedeutung ist. Indem eine Person entspannt und absichtslos ein Bild wählt, kommen dieses unbewussten Aspekte ans Licht. Sie können bewusst wahrgenommen werden.

Dieses Bild wird mit Hilfe eines starken positiven Gefühls ausgewählt. Sie repräsentieren diese unbewussten Bewertungen und Entscheidungen und werden als somatische Marker bezeichnet. Diese Begriff wurde von Antonio Damasio geprägt. Sein Konzept der somatischen Marker besagt, dass jeder Mensch über ein Bewertungssystem verfügt, das unterhalb der Bewusstseinsschwelle arbeitet. Dieses System äussert sich über somatische Marker. Es sind objektiv messbare, körperliche Signale, die als Körperempfindung und/oder als starkes Gefühl wahrgenommen werden können.

Ben hat das Löwenbild anhand seiner positiven somatischen Marker ausgewählt. Diese sind das Signal seines 2. Gedächtnissystems, dass in diesem Bild eine Ressource steckt. 

Übersetzung somatischer Marker in Sprache

Wie kann Ben sich nun herausfinden, was seinem 2. System an dem Löwenbild so gefällt? Hierzu muss er die somatischen Marker in Sprache übersetzen. Dies tut er, indem er Assoziationen zu seinem ausgewählten Bild sammelt. Die gesammelten Assoziationen zu einem Bild geben Aufschluss darüber, was das 2. System von der bewussten Absicht hält und in welcher Weise es unterstützen kann. Für welche Assoziationen hat sich Ben entschieden? Ihm gefallen folgende Begriffe am besten: ‹Königlich›, ‹Eleganz› und ‹Ruhe›.

Nun ist der Input beider Systeme bekannt. Damit ist alles vorhanden, was es braucht, um ein agiles Mindset zu entwickeln. So auch bei Ben. Er hat seine bewusste, verstandesgemässe Absicht formuliert: ‹Ich möchte mutiger sein›. Sein 2. Gedächtnissystem hat über das Löwenbild die Begriffe ‘königlich’, ‘Eleganz’ und ‘Ruhe’ beigesteuert. Damit kann er sein persönliches Mindset bauen. 

Agiles Mindset entwickeln

Was ist ein Haltungsziel?

Ein agiles Mindset ist ein Haltungsziel. Also ein allgemein formuliertes Ziel, das auf die innere Haltung einer Person zugreift. Wahrscheinlich kennst du diese Form der Ziele aus der Alltagspsychologie. Es sind Sprichwörter. Beispielsweise ist jemand sehr zuverlässig. Diese Person arbeitet nach dem Motto: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Damit entsteht sofort ein Bild von einer zuverlässigen und gründlichen Arbeitsweise. Was genau diese Person tut, ist völlig offen.

Demnach beschreibt ein Haltungsziel – im IT Jargon ein agiles Mindset – die generelle Haltung, die ein Mensch gegenüber einem Thema einnimmt. Haltungsziele 

  • lösen positive Emotionen aus, 
  • erzeugen ein Gefühl der Selbstbestimmung, 
  • bieten viele Handlungsmöglichkeiten und
  • haben eine hohe Widerstandskraft nach Misserfolgen.

Wenn du dazu mehr wissen möchtest, dann empfehle ich dir den Artikel ‹Was ist ein agiles Mindset?›. 

Wie wird ein Haltungsziel gebaut?

Ein Haltungsziel wird durch Kombinieren der Wörter gebaut. Schauen wir uns dieses Vorgehen am Beispiel von Ben an. Er hat seinen Vorsatz mit ‘ich möchte mutiger werden’ beschrieben. Sein 2. System reagiert positiv auf die folgenden Begriffe ‹königlich›, ‹Eleganz› und ‹Ruhe›. Diese Begriffe kombiniert Ben zu folgendem Satz: 

‘Mit königlicher Eleganz ruhe ich in meiner Löwenkraft’.

Ben strahlt, wenn er sein neues Haltungsziel vorliest. “Ich fühle mich sofort selbstbewusster, wenn ich diesen Satz lese. Es ist so, als ob ich mich innerlich aufrichte und eine innere Stärke spüre,” beschreibt er die Wirkung dieses Satzes auf ihn. Diese motivierende Wirkung von Haltungszielen tritt fast immer sofort ein. Durch die bildhafte Sprache entsteht ein inneres Bild, das mit positiven Gefühlen verbunden ist. Damit ist es sehr attraktiv und wirkt unmittelbar handlungsanleitend. 

In zwei Schritten ein agiles Mindset entwickeln

Soviel in aller Kürze zu den 2 Schritten des ZRM, mit denen sich ein agiles Mindset entwickeln lässt. 

  • Schritt 1: Persönlichen Wert ergründen: Input beider Gedächtnissysteme abholen
  • Schritt 2: Agiles Mindset entwickeln: Bau eines Haltungszieles durch Wortkombination

Die Systematik für den Bau eines agilen Mindsets ist leicht und transparent. Wer ausserdem die Teamwerte klug auswählt und in Notfällen kleine Tricks und Kniffe anwendet, dem ist die erfolgreiche Umsetzung der Teamwerte sicher.

Hier erfährst du mehr:

Unter folgenden Links erfährst du, welche agile Prinzipien erfolgreiche Teams nutzen und weshalb ein agiles Mindset essentiell ist.

This Post Has 2 Comments

  1. Liebe Regine,

    Danke für diese tolle, klare und gut verständliche Darstellung, Chapeau.

    Liebe Grüße!

    Christian, COMPANION

    1. Regine

      Lieber Christian,

      herzlichen Dank für dein feedback – freut mich sehr!

      liebe Grüsse
      Regine

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